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Maison de la France - Artikel Ostseezeitung

Artikel Ostseezeitung Franzosen locken mit nackten Tatsachen

FKK in der Grande Nation will Alternative zum Osten seinOstseezeitung-Bild

 

 

Die Grande Nation auf Werbetour in M-V. Mit einem Segelschiff touren PR-Profis an den Stränden entlang, um für FKK im Urlaubsland Frankreich zu trommeln.

Rostock/Prerow (OZ) Mit oder ohne. Effi oder Textil. Das ist die Frage, an denen sich ost-west-deutsche Geister scheiden. Bedenkt man es genau, scheint hier der Ost-West-Konflikt zu wurzeln. Nackig oder schamhaft verhüllt am Strand herumspringen? Deutsche sind entzweit.

Ossis sagen, FKK sei Kulturgut aus der DDR, Wessis seien prüde und hätten sie von den schönsten Stränden vertrieben. Wessis sagen, FKK gehöre sich nicht, sei unästhetisch, irgendwie bäh. Klare Fronten. Klare Argumentation. Wären da nicht die Franzosen.

Von dort naht Hilfe für die „Effis" genannten FKKler. Fern im Westen gibt es was Neues. Franzosen sind nicht prüde. Daher sagen sie: „Oh, wo ist die Problem von eusch Deutscheeen? Macht eusch nackelisch und kommt zu uns." Dafür werben sie an ostdeutschen Stränden. Motto: Die Strände in Frankreich seien genauso schön wie in M-V (na, na, nicht übertreiben). Das Wetter sei beständiger (genehmigt). Die FKK-Infrastruktur sei in Frankreich besser (hört sich sehr deutsch an).

Um das begreiflich zu machen, musste natürlich eine PR-Strategie her. Die hat im Auftrage des französischen Fremdenverkehrsverbandes Maison de la France, die Agentur „Upstairs" aus Seligenstadt bei Frankfurt entwickelt. Wessis also. Macht aber nichts, denn die Strategie ist pfiffig. Mit dem Segelschiff „Catherina" aus Rotterdam touren die Franzosen zwischen der Wismar Bucht und Usedom Strände ab. Dabei suchen sie mit dem Fernglas – oh, la, la – nach FKK-Zonen. Meldet der Ausguck, „Nackedeis optisch", lässt die Crew das Beiboot zu Wasser und rudert zum Strand.

ani2Angelandet, gibt es eine richtig schöne Animation. Hinter dem Konzept steht eine Idee, die Stefanie Reckmann (30) von „Upstairs" erklärt: „Ein Segelboot erregt Aufmerksamkeit. Die Leute gucken nach dem Schiff." In der Werbersprache heißt das: Eye-Catcher.

Tatsächlich. Am Strand von Prerow schauen alle neugierig oder skeptisch von ihrer Strandlektüre hoch. Die Leute könnten schließlich auch Piraten sein. Man weiß ja nie heutzutage. Bis der Stand aufgebaut ist und Karsten Giersch (27) von der Animation „Los Lachos" aus Dessau (echter Ossi), sein Megaphon an den Mund hält: „Allo! Allo! Wenn ihr mal zu uns kommt, haben wir lecker Croissants für eusch." Sein Dialekt klingt echt. Und der Trick ist gut. Beim Zauberwörtchen „umsonst" stehen Deutsche sogar vom Badetuch auf. Zuerst kommen die Kinder – unverkrampft. Dann die Väter – aufgepasst. Dann alle – gierig. Und vor dem Stand des Maison de la France drängeln sich Nackte und Halbangezogene. Wobei am FKK-Strand ein ungeschriebenes Gesetz gilt. Bei Kälte obenrum was anziehen. Unten frei. Sonst gibts den Spruch: „Klamotten runter, Puppe. Das ist ein FKK-Strand."

Die Franzosen und Scheinbar-Franzosen trommeln für FKK in der Grande Nation. Mit Congas, Megaphon, Baströckchen, Luftballons, französischen Köstlichkeiten wie Calissons und Info-Broschüren über das Urlaubsland Frankreich.

Die Deutschen futtern, sammeln Info-Material, T-Shirts, Frisbees und fragen nach Rotwein. Die Deutschen sind nackig oder halb, weil sie am FKK-Strand sind. Die Franzosen sind angezogen, obwohl sie am FKK-Strand sind und für FKK werben. Aber das ist ja das Schöne an PR. Man muss nicht hinter dem stehen, was man tut. Es reicht, so zu tun.ani3

Die Ostdeutschen wurden als Zielgruppe ausgesucht, weil der Westen erstens keine schönen Strände hat, die mit dem Schiff zu erreichen sind. Und zweitens, weil „hier die meisten FKKler sind und der Osten die bessere FKK-Infrastruktur hat", sagt Emmanuel Marcinkowski (32) aus Bordeaux (echter Franzose). Außerdem sei das keine Konkurrenz für die Tourismusbranche in M-V, sondern Bereicherung. FKK-Fans, deren Territorien seit der Wende ja zurückgedrängt worden seien, werde eine Alternative geboten. Frankreich.

Und irgendwie sind die Menschen hier auch dankbar. Für die lecker Croissants. Und für die Alternative. Eine ältere Dame fragt, was denn „Danke" auf Französisch heiße. „Merci", sagt Karsten Giersch. „Wie die Schokolade in Deutschland." Merci, dass es euch gibt!

MICHAEL MEYER

Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 12. Juli 2001  © 1999-2000, Alle Rechte vorbehalten

Wochenendausgabe, 18./19. August 2001

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